Redemanuskript von Renate Ixmeier

Statement anlässlich der Kundgebung:

Wir machen Euch satt in Berlin am 21.1.2017

9.15 Uhr am Washington Platz

Hallo zusammen

 Mein Name ist Renate Ixmeier

 Ich komme aus dem Landkreis NEA in Mittelfranken, das ist in Bayern

 Meine Familie bewirtschaftet einen kleinen Betrieb mit Ackerbau, Schweinemast und Wald im Nebenerwerb, d.h. unser hauptsächliches Einkommen kommt nicht aus der Landwirtschaft

Trotzdem lieben wir unseren Hof, wir lieben unsere Tiere und wir lieben unsere Arbeit hier auf unserem Hof

 Wir leben in 3 Generationen zusammen

Mein Mann Udo und ich, unsere beiden Kinder und mein Vater

WIR MACHEN EUCH SATT

Als Meisterin der Hauswirtschaft engagiere ich mich stark in der Bildungsarbeit.

Ob bei Erwachsenen, Jugendlichen oder Kindern:

 Ich versuche jeder Altersgruppe unsere heimische Landwirtschaft und ihre super Produkte näher zu bringen

 Wir kochen gemeinsam, essen zusammen und diskutieren darüber, wie unsere Lebensmittel hergestellt werden, was unsere Region Besonderes zu bieten hat, aber auch, wie wir unsere Tiere auf den Betrieben halten

Sehr oft wird uns von den NGO´s vorgeworfen, dass wir nicht das produzieren, was „der Verbraucher“ will

Dem kann ich nicht zustimmen: in vielen Gespräche habe ich erfahren, dass vor allem die Sicherheit unserer Lebensmittel an erster Stelle steht

Diese Sicherheit bieten unsere heimischen Produkte

 Wir arbeiten transparent – es kann jeder in meinen Stall kommen, der vorher darum bittet

Ich erlaube mir auch, kranke Tiere mit Medikamenten zu behandeln, - nicht prophylaktisch, nicht ohne Maß und Ziel –

Wie uns oft vorgeworfen wird

Aber so, dass dem Tier geholfen wird, die Krankheit zu überwinden und immer in Absprache mit dem Tierarzt

 Unsere Tiere sind unser Kapital und nur, wenn die Tiere gesund sind, bringen sie Leistung und damit auch Erfolg für meinen Betrieb

WIR MACHEN EUCH SATT

Ich habe auch einen Hund und 3 Katzen – da hat mich noch niemand nach Tierarztbesuchen gefragt

 Für unsere Haustiere ist es o.k.

 Für unsere Nutztiere soll es verwerflich sein?

Diese ständigen Verallgemeinerungen gehen mir ziemlich auf den Zeiger: „DIE Landwirtschaft“, „DIE Agrarindustrie“ …

 Es kann ein Betrieb mit 2.000 oder 3.000 Schweinen seine Tiere genauso sorgsam behandeln, wie wir das mit unseren 180 tun

 Es soll aber auch Ställe mit nur 20 Tieren geben, denen es nicht gut geht

Eine gewisse Betriebsgröße ist nötig, um auch die Familie die dahinter steht satt zu machen und zu versorgen

Es wird in jeder Branche immer schwarze Schafe geben,

 

das ist auch unsere Aufgabe, diese schwarzen Schafe zu outen, damit sie bestraft werden

Die Vorschläge, unsere Produktion zu verringern und noch mehr Flächen stillzulegen, empfinde ich ehrlich gesagt, als Affront gegen die ständig wachsende Weltbevölkerung

 Wenn nicht wir mit unseren fruchtbaren Böden, unserem Know-how – wer sonst sollte die bis 2050 erwarteten 2,4 Milliarden zusätzlichen Menschen auf der Welt ernähren

WIR MACHEN EUCH SATT

Stattdessen versiegeln wir immer mehr landw. Nutzflächen und legen wertvolle Ackerflächen still

Wir, nicht mal mehr 1% der Weltbevölkerung, wir werden die Welt nicht dadurch retten, dass wir weniger produzieren

Ich bin stolz,

  • dass meine Familie und ich dazu beitragen,
  • dass viele Menschen täglich hochwertige
  • Lebensmittel genießen können
  • Und sich darum nicht sorgen müssen

WIR MACHEN EUCH SATT!

 

DARAUF KÖNNT IHR EUCH VERLASSEN!

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Kommentare: 13
  • #1

    Kritiker (Montag, 23 Januar 2017 16:04)

    Hallo Frau Ixmeier,
    Schön, dass Sie Ihre Rede hier einem noch größeren Publikum zugänglich machen!

    Wie kommen Sie darauf, dass die Verbraucher grundsätzlich etwas gegen Ihren Familienbetrieb haben sollte. Und wie kommen Sie darauf, dass Massentierhaltung mit 3000 Tieren den "sorgsamen" Umgang mit den Tieren ermöglicht. Unterschiede in der Betriebsgröße ändern die Sicht der Dinge. Für Sie sind Ihre Tiere Ihr Kapital - was werden Sie für die Großmäster sein? Sie kennen Ihre Tiere schon nicht beim Namen - wieviel Würde soll ein Tier erwarten, dass lediglich nach seiner Leistung in Fleisch eingeschätzt wird?
    Ich bitte Sie, zu differenzieren - die NGOs können nur das kanalysieren, was unlängst in den Menschen ist: Menschlichkeit und ein Gefühl dafür, dass es nicht zum Besten steht. So, wie wir heute massenhaft mit Tieren umgehen und mit den Mitarbeitern, die in Großbetrieben ausgenutzt werden, wird es zunehmend mehr Menschen gehen.
    Die flächendeckenden Skandale, die eben nicht aus den Reihen des DBV und anderer, der Massentierhaltung nahe stehender Verbände aufgedeckt, transparent gemacht und geahndet wurden, können nicht als das Werk einzelner "schwarzer Schafe" betrachtet werden - sie sind immanent.

    Bei allen Problemen, die Sie sicher als Landwirtin haben, ist es schön zu wissen, dass Sie sich um die Welternährung sorgen und Ihren Beitrag zu einer Linderung des Hungers leisten wollen. Die Idee, mit landwirtschaftlichen Produkten und "unserem Know-How" die Welt zu ernähren, ist jedoch absurd.
    Wenn in Deutschland Fleisch "produziert" wird, so kommen die Futtermittel dazu vor allem von außerhalb Deutschlands, einer Fläche die der den Bundeslandes Bayern entspricht. In Deutschland wird das nicht tierwohlgerechte Futter aus Soja und Mais durch Tierleid "veredelt", die Edelstücke kommen auf die Teller verführter Verbraucher. Die Gülle wird über Autobahnen verteilt, die weniger wertvollen Teile an andere Tiere verfüttert oder per Überseecontainer nach Afrika verschifft, wo sie die deutsche Entwicklungshilfe durch die Zerstörung der lokalen Märkte unterstützen.
    Es wäre vollkommen ausreichend, wenn die deutsche Landwirtschaft lokal, in höchstem Maße sozial, umwelt- und tiergerecht wirtschaften würde. Wir haben genug zu tun, um das zu erreichen. Erlauben Sie Menschen in anderen Ländern sich selbst zu helfen und nicht durch "unsere" Chemie und Gentechnik vollends ausradiert zu werden ... .

    Die Sorglos-Zeit ist vorbei, das verstehen mehr und mehr Menschen. Es ist an der Zeit, das tägliche Tun auf dem Hof und im Supermarkt kritisch zu hinterfragen.
    Sehen Sie sich nicht als Teil des Problems, sondern vielmehr als Teil der Lösung!

    Helfen könnte Ihnen unter anderem ein Blick hierhin: https://www.youtube.com/watch?v=16h3V91yNZM

  • #2

    Johann Landmann (Montag, 23 Januar 2017)

    @Kritiker

    Was machen Sie mit Staaten aus dem Arabischen Raum, die bei uns anklingeln und Weizen oder Gerste bei uns kaufen wollen, um ihre Bevölkerung zu ernähren? Wollen Sie die abweisen, mit dem Hinweis, dass wir in einer der besten Ackerbauregionen der Welt uns eine ökologische Nische einrichten wollen und sie mit ihrem Wüstensand zu sehen sollen wie sie ihre Bevölkerung ernähren?

    "Es wäre vollkommen ausreichend, wenn die deutsche Landwirtschaft lokal, in höchstem Maße sozial, umwelt- und tiergerecht wirtschaften würde." Wollen Sie dann auch auf Kaffee-, Tee-, Kakao-, Obst- und Gemüseimporte verzichten? Oder sind Importe, die unseren Speiseplan bereichern und dazuführen, dass wir uns auch in Jahreszeiten in denen es bei uns nicht so gut wächst, ausgewogen ernähren können, gut? Während aber Export schlecht sind?

    "So, wie wir heute massenhaft mit Tieren umgehen und mit den Mitarbeitern, die in Großbetrieben ausgenutzt werden, " Wo werden Mitarbeiter in Großbetrieben ausgenutzt? Es gibt Arbeitnehmerschutzgesetze, Mindestlohn, Tariflöhne, gesetzliche Urlaubszeiten, gesetzlich festgelegte Arbeitszeiten, usw. Besteht nicht eher die Gefahr, dass sich Selbständige, egal ob in der Landwirtschaft oder im Handwerk, selber ausbeuten?

    "Edelstücke kommen auf die Teller verführter Verbraucher" Wie wollen Sie erreichen, dass die Verbraucher sich nicht nur für die Edelstücke entscheiden, sondern auch zu Innereien, Schweinepfoten und Entenfüßen greifen und ihren Speisplan damit füllen? Was auf den Teller bei jedem einzelnen landet, sind doch freie Entscheidungen der Verbraucher und liegt nicht an den Landwirten, sie können alles anbieten.

  • #3

    Jochen Böhrer (Montag, 23 Januar 2017 19:00)

    Sehr geehrter Herr Kritiker,

    Ihre Ausführungen sind die Aneinanderreihung von Parolen und von keiner Fachkenntnis getrübt. Woher nehmen Sie die Gewissheit, dass man 3000 Tiere nicht sorgsam betreuen kann? Machen Sie das tatsächlich daran fest, ob man dem Tier einen Namen gibt? Sie können mir glauben.. einen Broiler ist es ziemlich egal, ob er jetzt Kurt heißt oder Egon oder garnichts. Das hat nichts mit Würde zu tun. Von welchen flächendeckenden Skandalen schreiben Sie? Von den widerrechtlich bei nächtlichen Einbrüchen aufgenommenen Aufnahmen kranker Tiere, die in den aufkaufenden Medien als Normalzustand präsentiert werden und deren weitere Verbreitung mitunter gerichtlich untersagt wird?
    Es sind gerade mal 8 - 10% des deutschen Futters, die importiert werden. Hauptsächlich Nebenprodukte aus der Ölgewinnung. Dem gegenüber stehen Getreideexporte in ähnlicher Höhe. Wieso sollte unser hervorragdnes Futter nicht tierwohlgerecht sein? An was machen Sie das fest? Die Mär von der Marktzerstörung durch unsere Exporte könen Sie getrost vergessen. Das würde jetzt aber zu weit führen. Nur soviel. Die Spendenbettelkonzerne leben vm Elend in der Welt. Wenn Sie dieses beenden würden, nähmen sie sich ihre eigene Geschäftsgrundlage. Das wäre im Sinne ihrer Finanzen und der schönen Löhne der Manager töricht. Zur Chemie und anderen Attributen moderner Landwirtschaft sei gesagt: Wo die Grüne revolution Fuß fasste und die politischen Verhältnisse stabil sind, wurde der Hunger besiegt. Wir machen heute 6,4 Mrd Menschen satt.. soppekt soviele als noch vor 40 Jahren. SOOO schlecht kann unser System nicht sein.

  • #4

    ina (Montag, 23 Januar 2017 20:26)

    Lieber Kritiker, das ist ja nicht um zum Aushalten. Dies Schwarz-Weiss, dies Gut-Böse, ist bei Ihnen die Welt wirklich so einfach? Sie scheinen weder die aktuelle Fachliteratur (Beispiel: Bestandsgrösse und Tierwohl https://ediss.uni-goettingen.de/handle/11858/00-1735-0000-0028-873B-1) zu kennen, noch scheinen Ihnen die grundlegendsten betriebs- und volkswirtschaftlichen Zusammenhänge vertraut (http://www.sueddeutsche.de/politik/aussenansicht-lob-des-freihandels-1.3319247). Pflegen Sie Ihre Vorurteile oder noch besser, produzieren Sie Ihre Nahrungsmittelnachfrage selber - nach Ihren Vorstellungen, Ressourcen verschwendend und ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse einer steigenden Weltbevölkerung

  • #5

    Hubert Lütke Laxen (Montag, 23 Januar 2017 20:44)

    @Kritiker:
    Das Sie hier Ihre Sicht der Dinge zum Besten geben ist okay, das gehört zu unserer Demokratie. Aber warum besitzen Sie nicht einmal die Courage ihren vollen Namen zu nennen?
    Eigentlich sollte daher ein Dialog obsolet sein.

    Abgesehen davon bin ich aber in den meisten Punkten vollkommen anderer Meinung!
    Auf unserem Betrieb wird mehr als 50% des Futters auf der eigenen Fläche geerntet. Das geht aber in vielen Regionen der Veredelung nicht - die Fläche ist knapp und muß zwischen Tierhaltung, Gemüseanbau und Bioenergiegewinnung geteilt werden.
    Warum sollte Gülle - ein wertvoller organischer Dünger - nicht über Autobahnen in Ackerbauregionen verbracht werden und dort Schwermetall und Uran belasteten Handelsdünger substituieren. Zugegeben - eine gleichmäßigere Verteilung der Tierhaltung in der Fläche wäre sicherlich besser, aber dann würden in vielen Veredelungsregionen mit kleinstrukturierten Bauern die Lichter noch schneller aus gehen!

    "Erlauben Sie Menschen in anderen Ländern sich selbst zu helfen ..."
    Fairer Handel der die berechtigten Interessen der Marktbeteiligten berücksichtigt hat in der Vergangenheit Innovation und Wachstum auch in Schwellenländer gebracht. Die Erfahrung zeigt, dass dies positiver ist als diese Menschen sich selbst zu überlassen. Keine Region wird sich einem zunehmenden Bevölkerungswachstum entziehen können - da gilt es gemeinsam die Probleme anzupacken und Menschen nicht im Stich zu lassen.

  • #6

    Matensen (Montag, 23 Januar 2017 23:17)

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    das Diskutieren mit Quellenangaben ist eine gute Angewohnheit!
    - Zum Thema: "Wir machen die Welt satt" frage ich mich, ob deutsches Getreide unter Beachtung unserer Umweltauflagen wirklich so preiswert produziert werden kann, dass es auf dem Weltmarkt preislich mithalten kann. Gibt es dazu Quellen ?
    - Zum Thema sorgsamer Umgang mit Tieren muss ich den Verfechtern der Massentierhaltung leider Ignoranz vorwerfen: Wer von Ihnen hat denn regelmäßig in großen Beständen Broiler, Puten, etc. ausgestallt ?
    Für alle anderen empfehle ich einen Auszug aus den über 200.000 google-Ergebnissen zur Anfrage broiler + deformation . Selbst wenn Sie die die Berichte der Tierschützer beiseite lassen, bleiben Ihnen >80% wissenschaftliche Artikel zum Thema
    Ob der Broiler einen Namen hat, mag ihm egal sein, aber Brustblasen, Knochen- und Gelenkdeformationen sind eine Qual.

    Auf eine gute Diskussion!
    M.Matensen

  • #7

    Kritiker (Dienstag, 24 Januar 2017 22:17)

    Sehr geehrter Herr Böhrer,

    Vielen Dank für Ihren Beitrag zur Diskussion. Sie werfen mir eine "Aneinanderreihung von Parolen" vor.
    Das man 3000 Tiere nicht sorgsam betreuen kann, liegt in der Natur der Sache: Tiere werden beengt eingepfercht, Sauen liegen neben Ihren Nachkommen - das wird vom Bauernverband als Tierwohl verstanden. Platz und Auslauf gehören ebenso wenig dazu wie Tiergerechtes Futter.
    Ihre Zahlen zum Import und Export lasse ich mal so stehen, hierzu kann sich jeder informieren. Bezüglich eiweißreicher Futtermittel liegt der Import jedenfalls im tiefen zweistelligen Bereich. 5MioT Soja werden jährlich nach Deutschland verschifft.
    "Wieso sollte unser hervorragendes Futter nicht tierwohlgerecht sein?" - weil es nicht tiergereicht ist. Pflanzenfresser fressen eben kein Mehl aus anderen Tieren und Wiederkäuer fressen Grünfutter und keine eiweißreichen Hülsenfrüchte. Die Einpferchung von Kühen in Ställen und deren Ernährung mit krankmachendem Eiweißfutter ist grotesk. Das Tier, was es schafft, aus energiearmen Grünfutter etwas edles wie Milch zu machen - und dazu vier Mägen hat - wird als Milchautomat betrachtet und mit "Kraftfutter" zu Höchstleistungen getrieben. Diese beziehen sich jedoch nicht auf die Lebensleistung, denn um ein langes Leben geht es nicht.

    "Die Spendenbettelkonzerne leben vom Elend in der Welt. Wenn Sie dieses beenden würden, nähmen sie sich ihre eigene Geschäftsgrundlage. Das wäre im Sinne ihrer Finanzen und der schönen Löhne der Manager töricht." Sehr interessant, hier werden die Zustände der Agrarindustrie auf - NGOs - übertragen? Vielleicht machen Sie sich die Dimensionen klar, dabei kann der frisch erschienene KONZERNATLAS helfen: https://www.boell.de/de/konzernatlas?utm_campaign=ds_konzernatlas

    "Wo die Grüne Revolution Fuß fasste und die politischen Verhältnisse stabil sind, wurde der Hunger besiegt."
    In Bezug auf diese Aussage wäre ich Ihnen wirklich für Referenzen dankbar. Mir liegen tatsächlich nur gegenteilige Informationen vor.

    Insofern freue ich mich auf weitere Kommentare!

  • #8

    Johann Landmann (Dienstag, 24 Januar 2017 23:53)

    @Kritiker, schade ist, dass Sie nicht auf einen meiner Nachfragen geantwortet haben, sondern lieber neue Thesen in den Raum gestellt haben. "Das man 3000 Tiere nicht sorgsam betreuen kann, liegt in der Natur der Sache." Woher haben Sie die praktischen Erfahrungen für diese These? Waren Sie unfähig 3.000 Tiere zu betreuen?

  • #9

    Haist (Mittwoch, 01 Februar 2017 22:02)

    Mal an alle Nicht-Kritiker. Eine Bitte. Legen wir mal die Tierwohlkomponente und die romantischen Wünsche und Vorstellungen mancher Verbraucher (mich zugegebenermaßen eingeschlossen - denn träumen wird man ja noch dürfen) beiseite.
    Mir fällt in Ihrer Argumenation immer ein kleines Stück Selbstbetrug auf. So bitte ich Sie sich selber eine Frage zu stellen. Wem ist eigentlich geholfen, wenn:
    - In Südamerika Urwald zerstört wird, um u.a. Soja in gigantischen Monkulturen anzubauen; was zur Verarmung und Stadtflucht der dortigen Landbevölkreung führt. Und nebenbei auch noch zu Vergifztung der verbliebenen Bbevölkerung durch den Pestizidmissbrauch (hier werden Sie mir wahrscheinlich wieder nicht zustimmen).
    -hier das Grundwasser und Oberflächengewässer durch zu hohe Nitrateinträge aus der Gülle der Mastställe verunreinigt wird und die öffentliche Hand Unsummen dafür ausgeben muss die Trinkwasserqualität auf dem vorgeschriebenen Niveau zu halten; und Deutschland wahrscheinlich von der EU auf eine hübsche Summe wegen Nichteinhaltung der Gewässerverordnung verklagt wird.
    - Durch Antibiotikamissbrauch MS-Keime enststehen
    - Das Fleisch zu Preisen verkauft & in alle Welt exportiert wird wird, die den Erzeuger unter enormen wirtschaftlichen Druck setzten, seinen Betrieb weiter zu optimieren (im Sinne der Kosteneffektivität natürlich) und ggf. zu wachsen.
    - Durch die Billigimporte aus Deutschland die Lebensgrundlage vieler Menschen in Afrika zerstört wird, die dann wieder als Asylanten vor unserer Haustüre stehen.
    --> Ich sags mal so: Ich seh den deutschen Landwirt hier nicht als den großen Gewinner aus der Sache hervortreten. Dann schon eher meine Lieblingskonzerne, die das ganze mit Chemie und Saatgut am laufen halten. Sollten sich nicht also die Landwirte lieber alle zusammenschließen und dafür eintreten, dass sie für gute Arbeit gutes Geld bekommen und Ihre Betriebe so führen können wie sie es gerne täten und nicht wie es der Weltmarkt erfordert. Stattdessen gibt es aber eine Gegendemo - Landwirt gegen Landwirt. Vielleicht sollten mal die Landwirte untereinander miteinander reden.
    Denn eins ist doch wohl klar - wenn sich nichts ändert, werden die meisten, die heute noch als selbstständige Landwirte auf Ihrem eigenen Hof leben und Arbeiten früher oder später das Handtuch werfen müssen, da die Betriebsgröße nicht mehr außreichend ist. Wenn ich das in den 80gern in meinem Heimatort zu den Bauern gesagt hätte, hätten die mich ausgelacht - heute gibt es von 8 großen Vollerwerbshöfen keinen mehr - das Land ist verpachtet und wird von außerhalb bewirtschaftet.

  • #10

    Kritiker (Samstag, 04 Februar 2017 15:30)

    Den Kritiker freut es, dass hier tatsächlich eine Diskussion in Gang gekommen ist. Herrn Haist's Beitrag wäre zwar ein schönes Schlusswort, aber "Schluss" klingt so endgültig. Alles ist im Gang.
    Gerne würde ich noch auf die nach meiner Meinung sehr gelungene weil ansprechende Aktion des Bundesumweltministeriums "Die neuen Bauernregeln" aufmerksam machen. Auch diese Sprüche sind nicht gegen den Landwirtin gerichtet - sie richten sich gegen die Vernichtung unserer Zukunft. Landwirte, die mit Herz und Hand für Ökologie und Menschlichkeit einstehen, sind die Lösung des Problems.

  • #11

    horse-peter (Donnerstag, 16 Februar 2017 10:11)

    @ina:

    Liebe Ina, haben Sie die von Ihnen zitierte Arbeit über den Zusammenhang von Bestandsgröße und Tierwohl überhaupt gelesen? Dann würden Sie sie hier kaum als Gegenargument für den Kritiker anführen. Denn dann wäre Ihnen aufgefallen, dass die Kernaussage die ist, dass man bei keinem der untersuchten Betriebe behaupten kann, es gehe den Schweinen gut. Die Arbeit ist eine Bankrotterklärung der konventionellen Schweinehaltung und sagt eben sehr wohl aus, dass je größer der Bestand, desto ärmer die Sau. Lesen Sie wenigstens mal die Zusammenfassung!
    Aber wen wunderts: bei konventioneller Haltung im Stall auf Spaltenboden überhaupt von Tierwohl zu reden, ist schon mehr als zynisch. Man könnte es so ausdrücken: wie wollen Sie etwas untersuchen, das gar nicht vorhanden ist? Wer einmal Schweine im Freiland studiert hat, wird nie wieder auf den Gedanken kommen, man könne diese Tiere "indoor" auf befestigten Böden halten, ohne ihnen unsägliches Leid zuzufügen (auf 0,83 qm pro Tier, wie die von Ihnen zitierte Arbeit herausgefunden hat ...). Deshalb: würde das Tierschutzgesetz ernst genommen, wäre die konventionelle Schweinehaltung wohl längst verboten. Zu ergänzen wäre, dass auch im Ökolandbau noch viel Luft nach oben ist: so lange hier nicht der Weidegang für alle Nutztierarten, und nicht nur für Hühner, vorgeschrieben wird, ist die Behauptung, der Ökolandbau garantiere eine "artgerechte" (schon der Bergiff ist kompletter Unsinn) Tierhaltung, eine Lüge.

    Die Argumentationen der Betreiber und Verteidiger dieser Seite hier (deren Verleugnung und Verdrängung der Tatsachen mich immer wieder sprachlos macht) machen genau wie die Reaktionen auf die Aktion der Umweltministerin mit den Bauernregeln (die keinen einzigen Landwirt diffamiert hat, sondern die Kernprobleme der konventionellen Landwirtschaft präzise benannt hat) mal wieder eins überdeutlich: eigentlich wissen die konvetionellen Kollegen, dass sie auf dem Holzweg sind und eine falsche Landwirtschaft betreiben, die in keinster Weise zukunftsfähig oder nachhaltig ist. Gleichzeitig stehen sie aber - dank einer Jahrzehnte langen völlig falschen Agrarpoltik - mit dem Rücken an der Wand. Vielen verbaut das eigene System durch Kapitalverbindlichkeiten etc. den Ausweg, und viele werden zu Angstbeißern, anstatt endlich aufzuwachen und zu begreifen, dass der Deutsche Bauernverband nicht die Interessen der Bauern vertritt, sondern die derjenigen, die sich auf dem Rücken und zum Nachteil der Bauern dumm und dämlich verdienen.

    Wenn es nicht gelingt, die Teilnehmer der "Wir machen Euch satt" -Demo davon zu überzeugen, dass auch sie auf dem Hlzweg sind und auch ihre Interessen auf der "Wir haben es satt"-Demo vertreten werden und sie deshalb besser dort mitmarschieren sollten, dann werden die Agrarindustrie und ihre Handlanger wie der DBV auch den letzten konventionellen Betrieb in den Ruin steuern. Es geht nur gemeinsam, aber dafür muss man erst einmal einsehen, was am eigenen Tun falsch ist. Wie gesagt, da haben auch wir Biolandwirte noch Handlungsbedarf. Ja, Ihr macht UNS satt, aber die konventionelle Landwirtschaft hier macht in vielen Teilen der Welt die Menschen hungrig und zerstört ihre (wie auch unsere) Lebensgrundlagen. Ein wachsender Teil der hiesigen Bevölkerung will das nicht mehr, sondern will gesunde Nahrungsmittel aus einer die Ressourcen schonenden, regionalen Produktion. Wir müssen nicht die Welt ernähren, es würde schon reichen, wenn wir aufhörten, die Zukunft der Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern durch unsere konventionelle Landwirtschaft zu zerstören! Denn Hunger ist nicht das Ergebnis mangelnder Nahrungsmittelerzeugung, sondern ein Verteilungs- und ein politisches Problem.

  • #12

    Kritiker (Freitag, 09 Juni 2017 14:31)

    Hallo horse-peter,
    vielen Dank für Deinen Beitrag. Wie Du, so sehe auch ich in Sachen Bio noch einiges im Argen - alle Menschen sind aufgefordert, auch im Bio-Markt Druck zu machen und sich im Zweifel eher gegen Fleisch und andere "Tierprodukte" zu entscheiden. Besser für das Klima, besser für die Verteilungsfrage, besser für die Menschen.

  • #13

    Dauber (Donnerstag, 23 November 2017 15:07)

    Dieser Spruch muss verschwinden, ist total arrogant. Wird von einigen Missbrauch