Redemanuskript von Felix Müller

 

Ich als junger Mensch habe mich entschlossen den Familienbetrieb fortzuführen. Nicht weil ich beruflich keine anderen Perspektiven habe, sondern weil ich es als einen abwechslungsreichen und spannenden Beruf betrachte.

Allerdings gehöre Ich damit zu einer Minderheit. Den meisten potenziellen Hofnachfolgern wird der Mut diesen Schritt zu gehen genommen.

Dieses hat zwei wesentliche Gründe.

Das erste ist, dass man als Landwirt pausenlos kritisiert wird. Dabei sind gerade wir jungen Landwirte bereit Kompromisse einzugehen um die Landwirtschaft weiterzuentwickeln damit diese auch nachhaltig eine Zukunft auf unseren Höfen hat.

Allerdings bieten die Kritiker keine Kompromisse an geschweige denn, dass sie realistische Lösungsansätze vorweisen. Und einige der größten kritischen Schreihälse laufen auf der Demo „Wir haben es satt“ mit.

Der zweite Grund für die schwindende Motivation sind die überzogenen Auflagen mit denen die Politik auf die Kritiker eingeht.

Die gewaltigen Schäden die uns als Folge dieser Politik entstehen, werden dabei völlig außer Acht gelassen - oder sogar billigend in Kauf genommen.

Durch diesen sprunghaften Aktionismus fehlt uns jegliche Planungssicherheit: Wie sollen wir für 20 Jahre in die Zukunft investieren wenn die Gesetzte alle paar Jahre geändert werden?

In dieser Kombination aus wirtschaftlicher Unsicherheit, permanenter Kritik und erdrückendenden Auflagen - da muss man schon ein ziemlich großer Optimist sein um als junger Mensch noch Landwirt werden zu wollen.

Es bleibt abzuwarten wie lange es in dieser Kombination noch dauert, bis man von deutschen Lebensmitteln nicht mehr satt werden kann…

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Kommentare: 3
  • #1

    Kritiker (Samstag, 21 Januar 2017 17:26)

    "Allerdings bieten die Kritiker keine Kompromisse an geschweige denn, dass sie realistische Lösungsansätze vorweisen. Und einige der größten kritischen Schreihälse laufen auf der Demo „Wir haben es satt“ mit. "
    Vielleicht waren auch Sie, geehrter Redner, bei "Wir haben es satt" dabei und konnten erleben, dass es zahlreiche, vielfältige Lösungsansätze gibt, die von den Menschen mitgetragen und eingefordert werden. Ja, es war laut, aber die Schreie richteten sich nicht gegen Bauern, sondern die Art wie industrielle Großbetriebe wirtschaften - vor allem jedoch gegen die Industrie, die den Landwirten die Wertschöpfung nimmt und sie mit Hungerlöhnen für die Nahrungsmittel abspeist.
    Es kann nicht das Ziel sein, das Nahrungsmittel billig sind. Für hohe Qualität im ökologischen, sozialen und ernährungsphysiologischen Bereich muss ein angemessener Preis gezahlt werden. Die deutschen Dumpingpreise für Lebensmittel sind in Europa einzigartig und nur durch massive Subvention ermöglicht.
    Es schadet aufrichtigen Bauern, wenn sie billige Nahrungsmittel für die Masse fordern - die Masse sollte giftfreien und enkeltauglich angebauten Nahrungsmitteln die Bedeutung zumessen, die sie verdient - und deren Anbauern eine würdige Existenz sichern. Es bleibt zu hoffen, dass die Verbände eine Kehrtwende hinlegen ....

  • #2

    Steffen (Samstag, 21 Januar 2017 23:02)

    Ich schliesse mich dem ersten Kommentator an. Ich achte und respektiere die Arbeit der Bauern. Aber die konventionellen Bauern sollen sich nicht vor den Karren der Agrarindustrie spannen lassen. Unser Protest geht nicht gegen euch Bauern, es geht gegen die Art der Landwirtschaft und Nahrungsmittelindiustrie, die heute unsere Zukunft für den Profit opfert. Warum müssen wir in Deutschland Nahrungsmittel in alle Welt exportieren? Euer Bauernpräsi (oder besser gesagt, Sprachrohr der Agrarinsdustrie) und euer Landwirtschaftsminister Schmidt wollen immer neue Exportoffensiven starten. Alle Welt soll unsere ach so tollen Lebensmittel geniessen. Wir unterbieten alle Preise. Dafür holen wir die Rohstoffe aus alle Welt, natürlich billig. Dafür zahlen die Menschen in Brasilien oder anderswo mit ihrer Gesundheit. Und wir haben all die Gülle am Hals. Wir werden von all den Schweinen und Hühnern oder Rindern zugeschiessen. Damit die Agrarindustrie dann billige Lebensmittel ohne Wert anbieten kann, hier und weltweit. Ihr macht die Drecksarbeit für die Konzernbosse. Das sollte euch klar sein. Ihr macht mit beim Rennen um die billigsten Preise. Und wir alle werden dafür bezahlen. In der dritten Welt ist es schon soweit. Hunger, Landflucht, Krankheiten usw. Und bei uns beginnt es auch langsam. Erst steigen die Wasserpreise durch eure Güllemengen, dann werden die Menschen krank von eurem Essen. Auch die Umwelt ist schon angeschlagen. Merkt ihr es selber nicht. Es werden immer Bauernhöfe. Die Agrarindustrie verschlingt euch alle. Die braucht nur einfache Landarbeiter, keine stolzen Bauern. Wehrt euch gegen die! Schließt euch unseren Widerstand an. Nicht wir gegen euch, sondern wir gemeinsam gegen die da oben.

  • #3

    E.Meyer (Donnerstag, 26 Januar 2017 02:53)

    Es geht nicht gegen die bäuerliche Landwirtschaft, sondern gegen die industielle.....
    die nehmen alle Privilegien der Bauern wahr, Baurecht, Subventionen etc. und mißbrauchen diese damit.
    Es wäre an der Zeit, dass sich Bauern von diesen Schmarotzern distanzieren. Die Politik ist auch vor allem gefordert, dass z.B. die Subventionen nicht mehr an die Fläche gebunden werden. Ein Landwirt mit weniger als 100 ha sollte den besonderen Schutz der Politiker genießen, denn der erhält das Dorfleben etc.
    Aber das Gegenteil ist der Fall. Bei "wachse oder weiche" sollten die Bauern streiken, sprich protestieren, und zwar gegen die EU-Politik!