Toller Kommentar auf top agrar

von Wilhelm Gebken (Kommentar bei top agar)

Um was geht es am 16. Januar 2016 in Berlin wirklich?

 

Es geht darum wie Deutschland mit der Realität umgeht.
Zwei Gruppen die unterschiedlicher nicht sein könnten, treffen aufeinander: Bauern, die ihren grandiosen Erfolg der letzten Jahrzehnte mit der Anhäufung und Umsetzung von Erkenntnissen und Wissen erreicht haben, also auf Grundlage der wissenschaftlichen Suche nach "wahr" oder "falsch" auf allen Ebenen, von der Uni bis auf den Acker, wobei es auch zu (korrigierbaren) Irrtümern kommt. Die andere Gruppe unterscheidet nicht nach "wahr" und "falsch" sondern nach "gut" oder "böse". Wissenschaftliche Wahrheiten haben keinen Platz in dieser "Realität". Es gibt dort nur den gefährlich-naiven Glauben an das vermeintlich Gute und den eigenen "heroischen" Kampf gegen das vermeintlich "Böse" was die so unterschiedlichen Gruppen von WHES eint.

Daher verwundert mich die Teilnahme religöser und kirchlicher Gruppierungen überhaupt nicht (mehr). Die bäuerliche Gegenveranstaltung ist zwingend erforderlich! Ich wünsche mir, dass es den teilnehmenden Bauern gelingt "des Kaisers neue Kleider" als das zu entlarven was sie sind: "Heiße Luft"

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Kommentare: 4
  • #1

    olaf spillner (Dienstag, 05 Januar 2016 07:18)

    Die Realität in Deutschland ist durch die Übernahme der Gebiete der ehemaligen DDR zustande gekommen. Dort gab es Kombinate industrieller Mast, und auch auf dem Acker wurde erklärtermaßen Agrarindustrie praktiziert. Inzwischen hat sich die moderne Landwirtschaft nicht nur in Gesamtdeutschland weiterentwickelt. Die computergesteuerte "Landwirtschaftliche Ferkelproduktion Deutschland" LFD am Tollensetal ist Realität. Schwer zu kontrollierend (unterbesetzte Überwachungsbehörden) Schweinefabriken wurde mit bundesweitem Tierhaltungsverbot, belegt. Auch Realität. Ohne engagierte Bürgerinitiativen undenkbar. Diese von der Agrarindustrie betroffenen (überlastete Strassen durch überdimensionierte Agrarfahrzeuge, Pestizidabdrift in die Gärten...) Einwohner weiter zu diffamieren, halte ich für höchst bedenklich. Der Slogen "Wir haben es satt" wird so nicht beseitigt.

  • #2

    Friedrich (Samstag, 09 Januar 2016 22:02)

    Es mag sein, dass einige Stallanlagen im Osten in ihrer Größe unüberschaubar und für Anwohner bedrohlich wirken. Da fehlen mir aber noch viele Fakten bei Ihrer Anschuldigung.
    Ist das aber ein Grund, Tausende anderer Bauernhöfe, die nicht mehr dem Kinderbuchimage "10 Kühe, 5 Schweine und 12 Hühner" entsprechen, auch als "Agrarindustrie" zu stigmatisieren? Darum geht es doch: Der Protest gegen Agrarindustrie und Massentierhaltung ist doch völlig außer Kontrolle. Jeder Familienbetrieb kann unter Beschuss geraten. Es gibt sogar Biobetriebe, denen eine Bürgerinitiative gegenübersteht, weil sie sich vergrößern wollen - und 200 Sauen für Ottonormalaktivist schon Massentierhaltung sind. Ja geht's noch???

  • #3

    Olaf (Dienstag, 12 Januar 2016 18:08)

    Wer sich die "Wir machen Euch satt"-Karte anschaut, wird feststellen, dass der Großteil Ihrer Teilnehmer aus dem Westen Deutschlands kommt. Die dortige Landwirtschaft ist einem Strukturwandel ausgeliefert, der auch durch "einige Stallanlagen im Osten in ihrer Größe unüberschaubar" ausgelöst wurde. Nach der friedlichen Revolution vor einem Vierteljahrhundert wurden im ehemaligen Arbeiterstaat so einige Betriebe ausgeschaltet, der Bauernstaat mit seinen Kombinaten Industrieller Mast wurde dagegen u.a. durch Industrie 4.0 perfektioniert. Höfesterben ist eine Folge, Anwohnerproteste sind eine andere.

  • #4

    Friedrich (Freitag, 15 Januar 2016 18:59)

    Möchten Sie nun die Agrargenossenschaften im Osten gegen die Betriebe im Westen ausspielen?
    Die dt. Landwirtschaft ist so vielfältig wie der dt. Verbraucher schizophren ist:
    Sie produziert günstige Lebensmittel, wenn der Verbraucher ein Lustgefühl beim Schnäppchenmachen braucht oder es sich teurer nicht leisten kann;
    sie produziert aber auch ethisch aufgeladene Produkte, wenn er am Wochenende mal Gäste eingeladen hat und der Verbraucher sich damit vor anderen selbsterhöhen möchte ("ich lebe bio, vegan, usw.!").
    Man sollte aufhören, die konventionellen Landwirte an das Kreuz der Schizophrenie der Verbraucher zu nageln. Und der Umstieg auf Bio ist nicht einfach und mal schnell zu bewerkstelligen. Viele meinen, das sei ein Kinderspiel. Wenn alle Bauern Bio produzieren sollen, wird der Preisverfall genauso weitergehen, wenn keine Lebensmittelknappheit herrscht. Seit Käfigeier gekennzeichnet und ausgelistet wurden, sind die nächste Stufe, die aus Bodenhaltung, auf deren Preisniveau gesunken.